Salzburger Marionettentheater - Theater und Museen - Kunst & Kultur - Salzburg-Rundgang

Theater und Museen - Das Salzburger Marionettentheater

Andreas Praefcke, Wikimedia, CC BY 3.0

Das Salzburger Marionettentheater befindet sich im selben Gebäude wie das Salzburger Landestheater in der Schwarzstraße 24. Es zählt zu den traditionsreichen Salzburger Kulturinstitutionen. 

Es gibt das Theater seit 1913, als Anton Aicher mit selbstgeschnitzten Figuren das Stück "Bastien und Bastienne" aufführte. Diese Aufführung war ein großer Erfolg. So konnte das Theater noch im selben Jahr ins alte Borromäum einziehen und neben Kasperlstücken und Märchenspielen auch Opern und Singspiele vorspielen. Anton Aicher wurde dabei von seiner Familie und Professoren sowie Studenten des Mozarteums beim Sprechen, Spielen und musikalischen Untermalen der stücke unterstützt. 

Im jahr 1926 übergab Anton Aicher das Theater an seinen Sohn Hermann. Hermann Aicher führte das Theater 50 Jahre lang, bis zu seinem Tod 1977. Durch seine Bildhauer-Ausbildung und technische Begabung konnte er wesentlich zur Entwicklung von einem Kindertheater zum künstlerischen Spiel beitragen. 

Im zweiten Weltkrieg wurde das Theater als Fronttheater verpflichtet. Doch gleich nach dem Ende des Kriegs begann der Wiederaufbau und bald konnten schon wieder die ersten Stücke gespielt werden. Dann ging das Marionettentheater auf große Tourneen, auch in Amerika. 

1960 änderte das Theater seinen Unterbringungsort ins Mozarteum, später kam es in den Kapitelsaal. Doch im Jahr 1971 bekam es seinen endgültigen Platz, und zwar in der Schwarzstraße 24.

Nach dem Tod von Hermann Aicher wurde das Theater von seiner Tochter Margarethe ("Gretl") geführt. Heute leitet es Barbara Heuberger. 

Oft wird das Theater in Verbindung mit einem Kindertheater gebracht, doch das ist angesichts des Spielplanes nicht angebracht. Dieser ist nämlich eher auf Erwachsene und Mozartliebhaber ausgerichtet. Das internationale Publikum liebt die Aufführungen. 

Das Führen der Puppen bedarf stetiger Übung. In der Konstruktion der Marionetten hat sich seit den Anfängen wenig geändert. Die 7 bis 8 Fäden jeder Puppe werden mit Hilfe des Führungskreuzes gezogen: drei für den Kopf, einer für den Rücken, je zwei für Arme und Beine. Die Harmonisierung von Gesang und Bewegungen ist sehr kompliziert. Konzentration und musikalisches Einfühlungsvermögen sind also eine Grundvoraussetzung für das Marionettenspiel.

Auf dem Spielplan stehen viele Mozart-Opern, wie "Don Giovanni", "Hochzeit des Figaro" oder die "Zauberflöte". Doch auch Opern anderer Komponisten werden hier meisterlich aufgeführt, wiezum Beispiel  "Hoffmanns Erzählungen" von J. Offenbach.

Aufgaben und Können jedes einzelnen Mitglieds des Marionettentheaters sind vielfältig. Fast alles an diesen Gebilden aus Holz, Draht und Stoffen wird selber gemacht. Gebastelt, modelliert, genäht. Die Köpfe, die früher vom Prinzipal selbst geschnitzt wurden, liefern nun Salzburger Künstler. Manche Figuren müssen in fünffacher Ausführung hergestellt werden, weil ja ein Kostümwechsel nicht möglich ist. Die Magie des Puppenspiels, so alt wie die Menschheit selbst, sorgt für das persönliche Engagement der Beteiligten und lockt junge Leute zur Mitarbeit. Bekannte Theaterleute schätzen die Professionalität der Mitarbeiter und sind daher den Marionetten schon jahrzehntelang verbunden. Dazu kommen die kollegiale Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Unterordnung unter das gemeinsame Werk, die klingende Namen aus der Welt des Theaters und der großen Oper anzuziehen vermochten.

Durch diesen hohen Standard wird verständlich, warum das Salzburger Marionettentheater seit seiner Gründung bereits über 8 Millionen Besucher hatte. Gut die Hälfte dieser Besucher kamen bei den 850 Gastspielen in Städten auf allen Kontinenten dieser Welt.

Repertoire:
Wolfgang A. Mozart - Die Zauberflöte
Wolfgang A. Mozart - Don Giovanni
Wolfgang A. Mozart - Die Entführung aus dem Serail
Wolfgang A. Mozart - Eine Stunde mit Mozart
Wolfgang A. Mozart - Le Nozze di Figaro
Giacomo Rossini - Der Barbier von Sevilla
Engelbert Humperdinck - Hänsel und Gretel
Serjej O. Prokofieff - Peter und der Wolf
Peter I. Tschaikowsky - Der Nussknacker
Johann Strauß - Die Fledermaus
William Shakespeare - Ein Sommernachtstraum
Claude Debussy - Die Spielzeugschachtel
Rodgers & Hammerstein - The Sound of Music

Öffnungszeiten:
Weihnachten, Ostern, Mai-September: 9:00 bis 13:00 Uhr
zwei Stunden vor jeder Vorstellung ist die Kasse geöffnet