Die Salzburger Festspiele - Die Geschichte
Der Hang zu Festspielen war in Salzburg immer sehr groß. Schon im Mittelalter wurden große Mysterienspiele aufgeführt und oft tagelang dauernde Kostümfeste.
Fürsterzbischof Colloredo machte diesem Treiben dann ein jähes Ende. Er ließ viele Bräuche verbieten und stellte viele Feiern ein.
Erst im 19. Jahrhundert kam es im Zuge der Romantik zu einem Wiederaufleben vieler Bräuche. So besann man sich auch darauf, daß Salzburg die Geburtsstadt von Wolfgang Amadeus Mozart ist. Es fanden Mozartfeiern und Umzüge zu Ehren Mozarts statt.
Als 1887 anläßlich der "100 Jahr Jubliäumsfeier" von Don Giovanni; der Dirigent Hans Richter die Stadt Salzburg rügte, sich der Mozarttraditon würdig zu zeigen, war die Idee für Festspiele in Salzburg geboren. Verwirklicht jedoch wurde diese erst Jahre später von Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt. 1919 hat Hofmannsthal das Programm der Salzburger Festspiele grob vorskizziert.
"Oper und Schauspiel, und von beiden das Höchste. Salzburg will dem klassischen Besitz der Welt dienen. Der Glaube an Europa ist das Fundament unseres geistigen Daseins. Die Freuden Mozartscher Reinheit und Schönheit suchen wir, edelsten Genuß wollen wir bieten. Geistigen Frieden wollen wir bringen."Am 22. August 1920 wurde erstmals der "Jedermann" von Hugo v. Hofmannsthal am Domplatz unter der Regie von Max Reinhardt aufgeführt.
1922 wurde der Grundstein für ein Festspielhaus in Hellbrunn gelegt. Durch die Inflation jedoch wurde dieser Plan zunichte gemacht.
Erst Mitte der zwanziger Jahre kam es zur Erbauung eines Festspielhauses durch Clemens Holzmeister.
Besondere Bedeutung hatte schon in der Anfangsphase der Salzburger Festspiele das Sprechstück. Neben dem "Jedermann" wurde schon 1922 in der Kollegienkirche Hofmannsthals "Salzburger großes Welttheater" uraufgeführt.
Durch Geldentwertung und Wirtschaftskrise konnte vorerst kein geregelter Festspielbetrieb aufrecht erhalten werden. 1926 kam es zur Aufführung von Carlo Goldonis "Diener zweier Herren" unter Max Reinhardt. Es war das erste Stück, das in der FelsenreitschuleN gegeben wurde.
Sehr bald kam auch Mozart bei den Salzburger Festspielen zu seinem Recht. Die Wiener Staatsoper gastierte mit vier Mozart-Opern, dem "Don Giovanni", der"Enführung aus dem Serail", "Figaros Hochzeit" und "Cosi fan tutte".
Diese Aufführungen fanden ein überaus breites und positives Echo. Mit der Zeit kamen die größten Dirigenten ihrer Zeit nach Salzburg: Wilhelm Furtwängler, Arturo Toscanini oder Karl Boehm.
Einen Schatten auf die noch jungen Salzburger Festspiele warfen die Weltwirtschaftskrise und das III. Reich. Schon im Juli 1931 schrieb eine deutsche Notverordnung vor, daß jeder ins Ausland reisende Deutsche 100 Mark zu zahlen habe. 10 mal mehr, nämlich 1.000 Mark mußten deutsche Besucher Österreichs an ihren Grenzen ab 1. Juni 1933 zahlen. Hitlers berühmt-berüchtigte Tausend-Mark-Sperre sollte ja bekanntlich den österreichischen Tourismus ruinieren. In dieser Situation kam Hilfe für die Festspiele von Stadt und Land. Vor allem der Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl ist hier äußerst positiv zu erwähnen. Nach dem Anschluß Österreichs an Hitlerdeutschland verblaßte der Ruhm der Salzburger Festspiele zusehends.
Einerseits mußten viele bekannte Sänger, Schauspieler und Regisseure das Land verlassen und andererseits hatte Hitler mehr Interesse an Bayreuth und Wagner.
So verschwand der "Jedermann" aus dem Spielplan, und 1942 wurde Clemens Krauss mit der Leitung des "Salzburger Theater- und Musiksommers" beauftragt. Er behielt diese bis zum Kriegsende. Schon im Sommer 1945, also wenige Wochen nach Kriegsende, fanden die Festspiele wieder statt. Dank der tatkräftigen Hilfe der Amerikaner fand dieses Wunder der österreichischen Nachkriegszeit statt.
1946 wurde Oscar Fritz Schuh engagiert, der bis 1970 rund dreißig verschiedene Inszenierungen für die Festspiele schuf. Schuh legt großen Wert darauf, moderne Stücke aufzuführen, so z. B. Gottfried von Einems "Dantons Tod" oder "Der Prozeß".
1947 wurde der "Jedermann" wieder ins Programm der Festspiele aufgenommen.
1956 übernahm der gebürtige Salzburger Herbert von Karajan die künstlerische Leitung der Festspiele, die er bis zu seinem Tod 1989 inne hatte.
1960 setzte Karajan gegen den Willen der großen Mozartgemeinde die Aufführung von Richard Strauss’ "Rosenkavalier" anläßlich der Eröffnung des großen Festspielhauses durch. Unter Karajan lag das Hauptgewicht der Festspiele eher im musikalischen denn im schauspielerischen Bereich. Die Bemühungen Karajans richteten sich darauf Internationalität und Perfektion in Einklang zu bringen.
Karajan verpflichtete die besten Sänger, Dirigenten und Schauspieler der Zeit.
Die Wiener Philharmoniker und seit 1957 auch die Berliner Philharmoniker setzten musikalische Höhepunkte im Festspielbetrieb.
Die Liste der Berühmtheiten, die bei den Salzburger Festspielen mitwirkten ist unglaublich lang.
Unter den Opernregisseuren konnte Jean-Pierre Ponnelle in den siebziger und achtziger Jahren mit seiner Inszenierung der "Zauberflöte" Geschichte schreiben. Unvergessen wird "der" Papageno bleiben - Christian Boesch.
Nach dem Tod von Maestro Karajan ging die künstlerische Leitung in die Hand Gérard Mortiers über.
Dieser beschreitet in der Verbindung von Tradition und Moderne völlig neue Wege in Hinsicht auf das Programm der Festspiele. Mortier legt - ganz in der Tradition von Max Reinhardt - wieder mehr Gewicht auf das Sprechtheater.





