Geboren und Gelebt - Leopold Kohr
Leopold Kohr, Univ.-Prof. Dr.jur. Dr.rer.pol., gilt als der geistige Vater des Begriffes "small is beautiful". Er wurde am 5. Oktober 1909 in Oberndorf bei Salzburg geboren und starb am 26. Februar 1994 in seiner britischen Wahlheimat Gloucester. Der bedeutende Ökonom und Philosoph musste, wie ein wesentlicher Teil der österreichischen Intelligenz, 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen. In den USA kämpfte er für die Wiedererrichtung Österreichs nach 1945. Er unterrichtete an Universitäten in den USA, Puerto Rico, Mexiko, England und Wales.
Weltweites Aufsehen erregte Kohr im Jahr 1967 durch seine maßgebliche Mithilfe bei der Gründung des Kleinstaates Anguilla - einer karibischen Insel.
1981 verlieh ihm das Land Salzburg den Ehrenring des Landes. 1983 erhielt Leopold Kohr für sein Werk den Alternativen Nobelpreis. Die Republik Österreich zeichnete ihn 1990 in Anerkennung seiner Verdienste mit dem "Großen goldenen Ehrenzeichen" aus. Österreich hatte erst sehr spät die Bedeutung dieses Mannes erkannt.
Zu seinen Hauptwerken zählen: Customs Unions, The Breakdown of Nations (1957), The Overdeveloped Nations (1962), Is Wales Viable? (1971). Die Werke sind in vielen Sprachen erschienen, auf deutsch leider erst relativ spät.
Im Gegensatz zur gängigen Meinung, nur permanentes wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftlicher Zusammenschluss könne die Zukunft der Menschheit sichern, vertrat Kohr die Ansicht, dass die Rückkehr zu einem "menschlichen Maß" notwendig sei.
Nach Kohr müsse die Gesellschaft dem Menschen "vier Dienste" leisten: die unmittelbare Gesellschaft unserer Mitmenschen, die Erfüllung der wirtschaftlichen Wünsche, die Ordnung und Sicherheit gewährleisten sowie die kulturellen Bedürfnisse stillen. Eine Gesellschaft von fünfzig- bis zweihunderttausend Menschen könne dies bereits tun.
Durch die technischen Errungenschaften unserer Zeit könnte eine Gesellschaft von fünfzehn Millionen Menschen optimal verwaltet und regiert werden (Obergrenze für ein Staatswesen). Größer sollte ein Staat nicht sein, denn die Probleme würden sich im Vergleich zur Einwohneranzahl lawinenartig vermehren. Über 15 Millionen Menschen hinaus kann ein Gemeinwesen nicht mehr zugunsten, sondern nur mehr zu Lasten seiner Bürger vergrößert werden.





