Leopold Kohr - Geboren & Gelebt - Salzburg-Rundgang

Geboren und Gelebt - Leopold Kohr

Dr. Leopold Kohr war Philosoph und Ökonom. Er gilt als der geistige Vater des Begriffes "small is beautiful". Geboren wurde er am 5. Oktober 1909 in Oberndorf bei Salzburg. Kohr studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck, danach ging er für ein Jahr nach London, wo er schon Kontakt mit bekannten Ökonomen knüpfte. Er musste, wie ein wesentlicher Teil der österreichischen Intelligenz, 1938 vor en Nationalsozialisten fliehen und trat in Paris einer Widerstandsgruppe bei. In den USA kämpfte er für die Wiedererrichtung Österreichs nach 1945. Er unterrichtete an Universitäten in den USA, Puerto Rico, Mexiko, England und Wales.

1981 verlieh ihm das Land Salzburg den Ehrenring des Landes. 1983 erhielt Leopold Kohr für sein Werk den Alternativen Nobelpreis. Die Republik Österreich zeichnete ihn 1990 in Anerkennung seiner Verdienste mit dem "Großen goldenen Ehrenzeichen" aus. Österreich hatte erst sehr spät die Bedeutung dieses Mannes erkannt. Nach ihm ist eine Akademie in Neukirchen am Großvenediger (Oberpinzgau) bekannt.

Am 26. Februar 1994 starb Leopold Kohr in England, in seiner Wahlheimat Gloucester nach einer Heroperation.

Zu seinen Hauptwerken zählen: Customs Unions, The Breakdown of Nations (1957), The Overdeveloped Nations (1962), Is Wales Viable? (1971). Die Werke sind in viele Sprachen übersetzt worden, auf deutsch erschienen sie aber leider erst sehr spät.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung, nur permanentes wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftlicher Zusammenschluss könne die Zukunft der Menschheit sichern, vertrat Kohr die Ansicht, dass die Rückkehr zu einem "menschlichen Maß" notwendig sei.

Nach Kohr müsse die Gesellschaft dem Menschen "vier Dienste" leisten: die unmittelbare Gesellschaft unserer Mitmenschen, die Erfüllung der wirtschaftlichen Wünsche, die Ordnung und Sicherheit gewährleisten sowie die kulturellen Bedürfnisse stillen. Bereits eine Gesellschaft von fünfzig- bis zweihunderttausend Menschen könne das tun.

Durch die technischen Errungenschaften unserer Zeit könnte eine Gesellschaft von fünfzehn Millionen Menschen optimal verwaltet und regiert werden (Obergrenze für ein Staatswesen). Größer sollte ein Staat nicht sein, denn die Probleme würden sich im Vergleich zur Einwohneranzahl lawinenartig vermehren. Über 15 Millionen Menschen hinaus kann ein Gemeinwesen nicht mehr zugunsten, sondern nur mehr zu Lasten seiner Bürger vergrößert werden.