Sage von Gastein - Sagenhaftes Salzburg - Brauchtum - Salzburg-Rundgang

Sagenhaftes Salzburg - Die Sage von Gastein

Durch diese alte Sage wird erklärt, warum der Gold- und Silberbergbau in Gastein so plötzlich zum Erliegen kam:

Unter den Familien, die den Gasteiner Bergbau betrieben, den sogenannten Gewerken, hatte es vor allem eine Familie zu großem Reichtum und Ansehen gebracht: die Gewerken Weitmoser. Sie hatten sich ein kleines Schloss, das "Weitmoser-Schlössl", bauen lassen, und die Söhne des alten Weitmosers heirateten in die reichtsten und mächtigsten Familien des Landes. So war auch Bertha Weitmoser, die Frau des Gewerken Christoph, von Kind an gewohnt, alles zu bekommen, wonach ihr der Sinn stand. Das Gold und Silber ihres Ehemannes schien unerschöpflich zu sein.

Eines Tages ritt Bertha entlang der Gasteiner Ache aus. Da warf sich ihr eine Bettlerin in den Weg, die sie mit klagender Stimme um ein kleines Almosen bat. Bertha stieg nicht einmal vom Pferd, sondern wies herzlos ihren Diener an, die alte Frau aus dem Weg zu schaffen. Da richtete die Bettlerin sich auf und verfluchte sie: "Stolze Weitmoserin! Du glaubst, mit dem Reichtum wird es nie ein Ende haben? Aber warte nur, übers Jahr gehst vielleicht auch du in Lumpen und verkaufst deinen Brautschleier um ein wenig Brot für deine Kinder!"

Bertha konnte über diese Verwünschungen nur lachen, schließlich glaubte sie, unendlich viel Geld zu haben. Dann zog sie einen kostbaren Ring vom Finger und warf ihn in die Hochwasser führende Ache. " So wie dieser Ring nie mehr das Tageslicht sieht, so wird auch das Erz in den Weitmoser Stollen nie versiegen!" Dann ritt sie nach Hause. Am nächsten Sonntag hatten die Köche im Weitmoser-Schlössl eine besondere Überraschung für Bertha: ein riesiger Fisch war gefangen worden. Als Bertha ihn während des Festmahls zerlegte, wurde sie blass. Im Bauch des Fisches fand sie den Ring, den sie selbst ins Wasser geworfen hatte. Als ihr Mann sie besorgt fragte, warum sie so blass sei, wagte sie nicht, ihm von dem Fluch der Bettlerin zu erzählen.

Aber alles bewahrheitete sich, und das schneller als Bertha es befürchtet hatte. Schon im Herbst geschah ein Unglück nach dem anderen, Stollen stürzten ein, Hochwasser zerstörte die Pochwerke. Im Frühjahr endete plötzlich die Erzader, die den Weitmosers seit Jahrzehnten Silber und Gold geschenkt hatte.

Die Familie entließ ihre Knappen, verkaufte das Schloß und musste ohne Dienstboten auskommen. Und es kam auch der Tag, den Bertha am meisten gefürchtet hatte: der Tag, an dem sie ihren letzten kostbaren Besitz, ihren Brautschleier verkaufen musste, um ihren Kindern zu essen zu geben.