Brauchtum im Jahreskreis - Der Samson.

Im Sommer bieten mehrere Orte im Lungau ein besonderes Spektakel. Am Fronleichnamstag (bzw. einem festgelegten Tag im Juni oder Juli) zieht durch Tamsweg, St. Michael, Muhr und Ramingstein der „Samson“, eine meterhohe Holzfigur. Begleitet wird er von zwei immerhin noch mannsgroßen „Zwergen“.

Es ist ein ganz besonderer Anblick, wenn der riesige Samson durch die Straßen tanzt. Nur ein einziger Mann trägt, im hohlen Inneren versteckt, die etwa sechs Meter hohe und um die achtzig Kilo schwere Holzfigur. Sie ist mit einer Tunika und Rüstung bekleidet und hält in der einen Hand eine Lanze. In der anderen trägt sie die Eselsbacke, mit der der biblische Samson die Philister zu Hunderten erschlug. Um die Hüfte hat Samson einen Krummsäbel gegurtet, und auf dem riesigen Kopf sitzt ein blecherner Kriegerhelm.

Der Ursprung des Samson-Brauchs liegt bis heute im Dunkeln. Die älteste samsonähnliche Figur ist seit 1635 in Tamsweg bezeugt, aber der Brauch geht wahrscheinlich in die mythische Vorzeit des Gebirgsgaus zurück, als heidnische Riesenfiguren zum Schutz vor Ernteschäden bei Flurumgängen mitgetragen wurden.

Heute ist der Samson-Umzug ein Fest für das ganze Dorf. Musikkapellen und Prangerschützen begleiten die Figur, die vor bestimmten auserwählten Häusern haltmacht und einen würdevollen Tanz aufführt.

Vor Wirtshäusern bringt das einen willkommenen Erfrischungstrunk ein. Werden örtliche Persönlichkeiten mit einem Tanz geehrt, erwartet sich der biblische Riese dafür eine angemessene Geldspende.

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