Brauchtum im Jahreskreis - Die Perchten.

Um Dreikönig bewegen sich große Maskenumzüge durch die Orte im Gasteinertal; durch St. Johann, Bischofshofen und Altenmarkt. Abwechselnd alle vier Jahre liegt der Schwerpunkt des Treibens in einem der vier Orte. Man unterscheidet bei den Hauptfiguren Schönperchten und sogenannte Schiachperchten (schiach = böse, häßlich). Sie personifizieren die guten und bösen Geister der Natur, das Schöne und das Häßliche, das helle und das dunkle Prinzip. Die Schiachperchten fallen durch abschreckende Teufelsfratzen und viele Hörner auf.

Bewegen sich die Schönperchten gemessen und langsam, so brechen die Schiachperchten immer wieder ins Publikum aus, erschrecken Kinder und „bestrafen“ allzu kecke Mädchen mit Rutenstreichen.

Die Schnabelperchten von Rauris und Gastein haben tierähnliche Gestalt, ein zottiges Fell und eine langgezogene Schnauze, sie erinnern an eine Kreuzung zwischen Krokodil und Giraffe. Andere Schiachperchten gleichen Teufelsfratzen, wilden Geißböcken oder sind mit Tannenzapfen und Baumwerch bedeckt.

Der „Baumwercher“ und der „Wilde Mann“ erklettern waghalsig Häuser und Mauern und bewerfen das Publikum mit Schnee.

Die Schönperchten fallen durch ihre turmartigen Kappen auf, die mit Wachsblumen, Seidenbändern und kleinen Spiegeln geschmückt sind.

Eine Kappe wiegt zwischen 60 und 85 kg. Sie wird in der Familie von Generation zu Generation weitervererbt und mit großer Sorgfalt jedes Jahr noch schöner herausgeputzt.

Jeden Schönperchten begleitet eine Frauengestalt in der traditionellen Gasteiner Tracht, mit schwarzseidenem Dirndlkleid und bändergeschmücktem Hut.

Da die Perchtenumzüge strikte Männersache sind, werden auch die sogenannten „Vortänzerinnen“ von jungen Burschen verkörpert.

Die „Vortänzerin“ bahnt dem Kappenträger den Weg und versorgt ihn mit Getränken. Außerdem kommt sie ihm notfalls zuhilfe, wenn bei der Verneigung nach dem traditionellen Tanz die schwere Kappe das Übergewicht zu erlangen droht. Der Perchtentanz erfordert große Körperstärke und Geschicklichkeit von den Kappenträgern.

Auf dem Weg durch den Ort und die umliegenden Dörfer wird bei bestimmten Häusern haltgemacht und die darin wohnende Familie mit einem langsamen Kreistanz geehrt. Die Perchten erwarten sich dafür eine Stärkung und eine Geldspende an den Perchtenhauptmann, der mit gezücktem Säbel den Zug anführt.

Neben den Schön- und Schiachperchten gibt es im Zug noch eine Unmege anderer traditioneller Figuren. Mohren, Wilderer, Bären und Bärentreiber, der König Herodes und seine Frau, der Bandelkramer und der Wunderdoktor - alle sind die Relikte der alten Weihespiele vergangener Zeiten.

Der Brauch der Perchtenumzüge war lange von den Erzbischöfen verboten, wurde in den Gebirgstälern aber heimlich weitergepflegt.

Um die Jahrhundertwende wurde er von den Brauchtumsvereinen wiederbelebt. Überall wurden lange versteckte Kappen restauriert und ererbte Kostüme hervorgeholt.

Heute zeigen sich die Perchten wieder stolz bei den großen Umzügen.

Diese Seite empfehlen

Mister Wong del.icio.us Yigg Webnews LinkARENA digg